Mindestlohnerhöhung 2026

Mindestlohn steigt: Welche Sorgen es gibt

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Auszug von Cornelia Schiemenz
ZDF Heute

Zum 1. Januar steigt der Mindestlohn auf 13,90 Euro. In Sachsen profitieren davon rund 20 Prozent der Arbeitnehmer - Rekord in Deutschland. Doch die Freude ist getrübt.

Ab dem 1. Januar 2026 steigt der Mindestlohn in Deutschland auf 13,90 Euro pro Stunde. Davon profitieren vor allem Frauen und Menschen in Ostdeutschland, weil sie häufiger niedrig bezahlt werden.

In der Großküche der Unternehmensgruppe Hänchen in Thierbach bei Leipzig dampfen Nudeln, Tomatensoße und Milchreis in riesigen Behältern. Für mehr als zehntausend Kunden wird hier jeden Tag gekocht - Verpflegung für Kitas, Schulen, Behinderteneinrichtungen, Wohlfahrtsverbände. Rund die Hälfte der 500 Angestellten arbeitet zum Mindestlohn, hat also zum Jahreswechsel mehr Geld in der Lohntüte.

Geschäftsführer Wilfried Hänchen findet es richtig, dass seine Mitarbeitenden ordentlich bezahlt werden, allerdings muss er nun wieder - wie fast jedes Jahr über den Jahreswechsel - seinen Kunden die gestiegenen Essenspreise erklären. "Letztendlich bezahlt es der Abnehmer. Das sind die Eltern der Kinder", sagt er.

Wie sich die Personalkosten entwickelt haben

Das ist die eine Seite, die andere sind seine Köche - allesamt Facharbeiter, allesamt weitaus besser bezahlt als Mindestlohn. Denen muss er nun auch wieder mehr bezahlen, denn der Mindestlohn kommt immer näher an ein Facharbeitergehalt. Also muss ich proportional alle anderen Gehälter anpassen - und das ist eine ganz schöne Belastung für den Essenspreis.

Seit Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 stieg der Mindestlohn von 8,50 Euro auf jetzt aktuell 13,90 Euro. Ab 2027 sollen es 14,60 Euro sein. Für die Hänchen-Gruppe, eines der größten Caterer-Unternehmen in den östlichen Bundesländern, verdoppelten sich die Personalkosten von einst fünf Millionen Euro in 2018 auf zehn Millionen Euro in 2025.

Ab kommendem Jahr wird der Mindestlohn von derzeit 12,82 Euro auf 13,90 angehoben werden. Für 2027 ist ein weiterer Anstieg auf 14,60 Euro vorgesehen.

Unternehmen investiert mehr in Technik

Wilfried Hänchen hat in den vergangenen Jahren einen Millionenbetrag in vollautomatische Technik investiert. So soll möglichst viel manuelle Arbeit eingespart werden. "Wo früher zwölf Leute gearbeitet haben, sind es jetzt nur noch zwei," so Hänchen.

"Denn", und das ist dem Unternehmer sehr wichtig, "das Essen in der Schule muss bezahlbar bleiben, wir haben doch eine Pflicht gegenüber unseren Kindern." Mit acht Euro pro Tag für ein Kitakind, das Frühstück, Mittagessen und Vesper bekommt, sei die Grenze für die Eltern erreicht.

Wer sich auf den Straßen Sachsens zum Thema Mindestlohn umhört, bekommt ein gemischtes Stimmungsbild. Es dominiert jedoch die Angst vor weiter steigenden Kosten. Susann aus Döbeln, die selbst nur Mindestlohn erhält, sagt ZDFheute: "Für uns ist das zwar gut, aber alles andere wird ja teurer. Da denkt man, man hat mehr im Portemonnaie, aber das ist ja gar nicht so."

Ökonom warnt vor Jobverlust

Es ist die Sorge, dass sich die Preisspirale weiter nach oben dreht, dass das tägliche Leben immer schwerer bezahlbar wird. Auch Wirtschaftswissenschaftler teilen diese Befürchtung als Folge einer weiteren Anhebung des Mindestlohns. "Es ist eine zwiespältige Angelegenheit", sagt Prof. Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut in Dresden.

 
Und die Angst vor Jobverlust macht die Runde, gerade in den Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf niedrigen Kosten basiert, wie Gastronomie, Handel und Logistik. "Bei einer wachsenden Wirtschaft kann man sich höhere Kosten eher leisten als in einer instabilen Wirtschaft. Insofern muss man damit rechnen, dass wir in Teilbereichen Arbeitsplatzverluste haben werden", so das Fazit von Joachim Ragnitz.

 

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